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Zeitungsartikel vom 03.09.2010 / GN-Sport

Volle Konzentration auf die Scheibe

Mit der Mannschaft machte die Schüttorferin den Aufstieg in die Regionalliga perfekt. Dank ihrer Leistungen gehört Lisa Tüchter bereits zum erweiterten Junioren-Nationalkader.

Von Hinnerk Schröer - Schüttorf. „Ist Schießen denn überhaupt Sport?“ – mit dieser Frage werden Lisa Tüchter und ihre Mannschaftskameraden von SSG Schüttorf immer wieder konfrontiert, wenn sie erzählen, dass sie zu den mehr als 1,5 Millionen Sportschützen in Deutschland gehören. Viele beäugen die Sportart auch deshalb kritisch, weil sie sie in die Nähe von Schützen- oder Zeltfesten rücken. Demjenigen, der einmal einen Sportschützenwettkampf oder eine intensive Trainingseinheit mitverfolgt hat, wird aber sofort klar, dass der Leistungssport nichts mit dem Schießen auf dem Rummel gemein hat.

Beim Sportschießen auf dem Niveau, wie es die Schüttorfer Schützen betreiben, sind höchste Konzentration und Körperspannung gefragt. Gerade die Notwendigkeit, sich immer wieder auf den Punkt genau zu konzentrieren, ist auch für Lisa Tüchter das Faszinierende an ihrer Sportart. „Ich hätte selbst nie gedacht, dass ich das mal so lernen würde. Aber mittlerweile profitiere ich sogar in der Schule davon, dass ich mich viel besser konzentrieren kann“, berichtet die 16-Jährige, die das Technische Gymnasium in Rheine besucht.
Begonnen mit dem Schießsport hat Lisa Tüchter vor sechs Jahren. Seitdem hat sie sich dank der guten Zusammenarbeit mit Trainer Wilfried Voet kontinuierlich gesteigert. Ein vorläufiger Höhepunkt war am vergangenen Wochenende mit der Mannschaft der zweite Platz bei der Aufstiegsrunde, der den Schüttorfern im kommenden Herbst einen Platz in der Regionalliga sichert. Denn Voet hat nicht nur aus Tüchter eine ausgezeichnete Schützin gemacht, sondern ein starkes und ausgeglichenes Team geformt. Maria Britze, Kirsten Sumbeck, Lisa Tüchter, Florian Voet, Stephan Bütergeerds und Steffen Rönne sind die Aushängeschützen in der Region.
Ein wichtiger Faktor für den Durchmarsch durch Bezirks- und Landesliga ist die Tatsache, dass Voet das Schießprojekt nicht durch die Vereinsbrille sieht. Das langjährige Mitglied der Gilde-Schützen, der auch Lisa angehört, forcierte in der Samtgemeinde die Gründung der vereinsübergreifenden SSG Schüttorf. So profitieren die Schützen aus Schüttorf, Suddendorf und Ohne-Haddorf von den optimalen Trainingsmöglichkeiten und der Leistungsdichte. „Wir haben einen tollen Zusammenhalt in der Mannschaft“, betont Lisa, die auch ein schönes Beispiel dafür parat hat. Als die Sportschützin bei der Sportgala in Nordhorn den dritten Platz bei den GN-Nachwuchssportlern des Jahres feiern konnte, hatten sich auch ihre Mannschaftskameraden heimlich mit Gala-Karten eingedeckt und saßen zu Lisas großer Überraschung mit am Tisch.
Überregionale Erfolge stellten sich bei den Rahmenbedingungen bereits frühzeitig ein. Die Schüttorfer holten 2006 bei der deutschen Meisterschaft mit dem Schüler-Team die Bronzemedaille, Maria Britze gewann im Einzel zwei deutsche Meistertitel. Im Jahr darauf gelang Lisa als DM-Dritte der Sprung aufs Podest. Nach der Jugendklasse schaffte sie nahtlos den Übergang in den Juniorenbereich. Zu den größten Erfolgen zählt ihr dritter Platz bei einem international besetzten Vergleichswettkampf in Dortmund.
Mit ihren Leistungen hat sich die Schüttorferin in den erweiterten Junioren-Nationalkader (C-/D-Kader) geschossen. Diese Leistung will sie in diesem Jahr bestätigen. „Das Schöne beim Schießen ist, dass man seine Leistungssteigerungen genau ablesen kann“, sagt Tüchter, die mit dem Luftgewehr genauso gut geschult ist wie mit dem Kleinkaliber. Umfassend ist das Training in Schüttorf auch, was die Schusspositionen angeht. „Wir trainieren von Beginn an den Dreistellungskampf“, berichtet Trainer Voet. Die Kombination aus Stehend-, Liegend- und Knieendschießen ist auch dann gefragt, wenn es an höhere Aufgaben geht: Die höchsten Weihen im Dreistellungskampf werden bei Olympia vergeben. Die Tatsache, dass das Sportschießen mit zwei Ausnahmen seit dem Beginn der Spiele der Neuzeit im Jahr 1896 fester Bestandteil des olympischen Programms ist, macht auch allen Kritikern noch einmal ganz deutlich: Schießen hat als Leistungssport eine lange Tradition.